Führungen im Hexenkeller #49 361 6421393

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Erfurt - Eine Waid Karriere

KrämerbrückeEs war einmal…
…ein kleines unscheinbares Pflänzchen welches Erfurt eines Tages zu großem Reichtum verhelfen sollte. Ihr Name war: Färberwaid.
Die erste urkundliche Erwähnung des Waids in Deutschland finden wir 1236 in einer Verordnung die den Zoll beim Waidhandel regelt. Daraus ist zu schließen dass der Waidanbau wohl noch um einiges älter ist. Hauptanbaugebiet war Thüringen, daneben sind die Altmark, Sachsen, Franken, das Rheingebiet, Schlesien und Österreich zu erwähnen. Mit der Waidpflanze, aus der die blaue Farbe für Blaudrucke gewonnen wurde in Erfurt reger Handel betrieben. Meist befanden sich die Werkstätten der Färber an Flüssen und Bächen, denn sie benötigten stets viel Wasser für ihre Arbeit, zum Waschen, Spülen und Beizen.
Das Erfurt dafür prädestiniert war zeigt schon die Tatsache, dass in der Stadt über 100 Brücken den Fluss Gera und seine Verzweigungen überspannen. Die zahlreichen Wasserläufe und Brücken erinnern an eine italienische Lagunenstadt und brachten Teile der Innenstadt den Namen Kleinvenedig.
Färberwaid prägte das Wirtschaftsleben Thüringens im 13.-16. Jahrhundert. Es wurde dazumal auch als das goldene Vlies Thüringens bezeichnet. Der Thüringer Waid war dem anderorts angebauten Waid dank seiner hohen Färbekraft überlegen. Auch die Zentrale Lage Erfurts mit seiner Anbindung an wichtige Handelsstraßen in Ost- West und Nord-Süd Richtung durfte für den Anbau von Waid besonders für den Fernhandel von Vorteil gewesen sein.

So bauten im Jahre 1579-1774 Waidbauern in 49 Dörfern auf 4857 Äckern Waid (ca. 1838 ha) an. Die Bauern waren dem Marktzwang unterworfen und mussten den Ballenwaid auf den Markt von Städten mit dem Recht des Waidhandels zum Kauf anbieten. Erfurt, Gotha, Arnstadt, Langensalza und Tennstedt hatten dieses Recht des Waidhandels.

Nicht nur im Waidspeicher wurde Waid gelagert, auch in vielen anderen Häusern, auf den Dachböden wurde Waid gelagert. Davon zeugen beim aufmerksamen Spaziergang durch Erfurts Altstadt die vielen kleinen aufgesetzten Gauben im oberen Teil der Häuser. Erfurts östlicher Anger war seit 1531 der Markt auf dem allein der Ballenwaid verkauft werden durfte. Vom 1. Sonntag nach Pfingsten bis 29.9 Michaelis fand dort täglich außer Sonn- und Feiertag der Waidhandel statt. Bis zu 300 hochbeladene Pferdefuhrwerke fanden sich so an den Markttagen ein, so dass in Erfurt der größte Waidmarkt Mitteleuropas stattfand und hier fast 400 Jahre Bestand hatte. BLAU war nach Rot die beliebteste Farbe für den Adel seit dem 13. Jahrhundert. Indigoblau wurde mittels der importierten Farbe des orientalischen Indigostrauches erreicht. Weniger teuer und damit auch erschwinglicher für besser gestellte Schichten, wie Kaufleute und niederer Adel waren Stoffe in Waidblau. Das wesentlich billigere Färberwaidblau hatte zwar nicht ganz die Leuchtkraft von Indigo und konnte daher sehr gut von teureren Stoffen unterschieden werden. Der Waidhandel machte Thüringen im Mittelalter reich und mächtig. Er hatte einen hohen Stellenwert und wurde mit Gold aufgewogen.

Der Rückgang des Waids wurde durch den 30 jährigen Krieg beschleunigt mit seinen vor allem für den Fernhandel abträglichen Folgen. 1629 ist in Thüringen nur noch für 30 Dörfer auf 675 Äcker Waidanbau nachgewiesen. Erfurts Einwohnerzahl schrumpfte z.B. von 20000 auf 13000. Als 1684 noch eine Pestepidemie tausenden Bürgern das Leben kostete, soll die Einwohnerzahl nur noch 7000 betragen haben. Hatte man vor dem Krieg noch 79 Waidhändler gezählt, so gab es nach 1648 nur noch 19.
Nach 1680 wurde Waid durch Indigo abgelöst und bereits Ende des 18. Jahrhundert war der Waidanbau fast erloschen.